Nexiga Blog

E-Mobility –  Von und zu neuen Wegen in die
Versorgungssicherheit

Rückblick zum 9. Innovationstag, 14. Mai 2019

Ladepunkte E-Mobilität

Laden ist „in“, tanken ist „out“?

Strom von unterwegs und von zu Hause. Doch wie nah sind wir dem Ziel wirklich?

Dass es die ersten E-Autos bereits vor über 100 Jahren gab, das weiß wohl kaum jemand. Doch stand am 9. Innovationstag zum Thema E-Mobility, nicht das Auto, sondern die Ladeinfrastruktur im Vordergrund. Wo wird eigentlich wie viel geladen? Wie viele Ladepunkte kann Deutschland überhaupt verkraften? Und, wo steht der E- Driver von heute?

Privates Laden wird vorwiegend in hauseigenen Garagen stattfinden, so jedenfalls die These von Peter Mathis (DigiKoo/Westnetz). Dass dabei viele Garagen gleichzeitig auch viel unkontrollierte Spannung bedeuten ist allerdings ein nicht zu unterschätzendes Problem für die Netzbetreiber.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur hingegen steht vor anderen Herausforderungen. Denn die Auslastung einer Ladesäule sollte optimalerweise wirtschaftlich sein – ist sie derzeit aber nicht. Flexible Modelle und Systeme müssen deshalb her. Nur wie und welche?

Die Bundesregierung hat das ambitionierte Ziel: Flächendeckend und kundenorientiert muss es sein, nach dem Motto: „Du kommst überall hin und musst nicht warten.“ Ganz im Sinne einer optimalen Customer Experience. Die Förderung ist somit ein wichtiger Faktor für die Beschleunigung einer strukturellen Umsetzung (ab 3,7 kw/h wird gefördert) bestätigt Dominique Sévin (BMVI/NOW GmbH). Verkehrsminister Scheuer verkündete sogar bereits 1 Mrd. € an Fördergeldern –  das lässt hoffen.

Die Halter von E-Fahrzeugen befinden sich derzeit jedenfalls (noch) in einer sehr komfortablen Situation. Das führte uns vor allem der Vortrag von Meinert Jacobsen (MarAnCon), leidenschaftlicher Teslafahrer, vor Augen. Freie und gut gelegene Parkplätze an E-Ladesäulen sind demnach keine Seltenheit, sofern sie nicht dem bösen „Verbrenner“ zum Opfer fallen. Hat man zudem noch ein Haus mit eigener Garage, kostet das Laden ja nicht einmal kostbare Zeit, z.B. nachts. Und noch besser, Strom ist billiger als Benzin. Wenn dann noch der Ladestecker in jede Wallbox passt: Glückwunsch!

Wo liegt also eigentlich das Problem? Volker Gillessen der Firma Ecolibro zeigte hierzu einmal auf, wie sich der „Massenmarkt“ darstellt: So fährt der durchschnittlicher Pkw-Fahrer ca. 40 km am Tag, muss einmal pro Woche tanken und das Auto steht meist mehr als das es fährt. Warum also erst 83.175 E-Fahrzeuge in Deutschland?

Ladebedürfnisse des

Ist die Ladesäulenverteilung für viele Bürger noch zu ungewiss?

Wenn ich da einmal von mir ausgehen darf, dann ist das tatsächlich so und das mitten in einer Stadt wie Köln. Im Radius von 500m ist um meine Wohnadresse jedenfalls keine E-Ladestation zu „erkennen“. Demnach braucht es eine flächendeckende und übersichtliche Infrastruktur, um mehr Vertrauen zu schaffen und dem Autofahrer/in endlich die Angst vor zu wenig Lademöglichkeiten zu nehmen. Auch die Bezahlung und damit ist das Ladesäulenmanagement gemeint (wann ist eine Säule frei, wie finde ich die nächste Säule etc.) muss für den „Otto Normal E-Fahrer“ sicher sein. Und, wenn dann auch noch der Anschaffungspreis stimmt, wird es auch den herbeigesehenten Umbruch in der Bevölkerung geben – davon sind alle 50 Veranstaltungs-Teilnehmer nahezu überzeugt.

Optimierungspotenzial ist also genügend da, aber damit nicht genug, auch der Mensch muss sich anpassen und sein Verhalten in Sachen Fahrverhalten und Bequemlichkeit ändern, so meinen jedenfalls Stimmen aus dem Publikum.

Wer genau tankt eigentlich an der Ladesäule?

Dr. Jonas Lohmann von Waydoo skizzierte hierzu, dass Analysen aus Ladevorgängen und Ladeverhalten erforderlich sind, um passende Angebote zu entwickeln (Tarife, Paketangebot für Zuhause etc.). Mit Erkenntnissen von Ladesäulenstandorten wie: „Derzeit beträgt der Altersdurchschnitt an der Ladesäule 55 bis 65 Jahre“, muss das Gelernte demnach richtig interpretiert und weitergedacht werden.

Hier helfen Daten. Daten, die das Nutzerverhalten zusätzlich spezifizieren und auch auf andere Standorte übertragen werden können. Ob in Form von Informationen zu Garagen, Parkflächen und Photovoltaikanlagen oder über das nähere Umfeld eines Ladesäulestandorts in Bezug sozialer Schicht, Kaufkraft etc..

Norbert Stankus (Nexiga) gab dazu Einblicke in die verfügbaren Datenoptionen. Denn ohne Daten ist ein systematischer und effizienter Hochlauf nicht möglich. Sie werden sowohl für die Planung, Steuerung und Kontrolle der Netze als auch für die Planung von Standorten von Ladeinfrastruktur zwingend benötigt. Auch die Nutzung von Photovoltaik (44% der privaten und 46 % der gewerblichen Nutzer verfügen bereits über eine eigene Photovoltaikanlage) spielt dabei in viele Diskussionen mit ein. Wie Photovoltaik (PV)-Module mittels Drohnenbilder zu erkennen und zu kartieren sind, zeigte Linda Ochwada, Data Scientist von Supper & Supper in ihrem Vortrag.

Ein Blick in die Kristallkugel

Die Ladepunkte scheinen also nicht das zentrale Problem zu sein. Vielleicht haben wir am Ende des Tages sogar viel zu viele davon. Ehrgeizige 36.000 öffentliche Ladepunkte bis zur nächsten Bundestagswahl sollen es werden. Langfristig gesehen, ist die öffentliche Ladeinfrastruktur aber eine Zwischentechnologie für die nächsten 10 Jahre. Durch laufende technische Innovationen wird diese Technik in der ersten Phase/Hochlaufphase wahrscheinlich öfters erneuert werden müssen, das meint jedenfalls Nils Iffland, Chief Revenue Officer des Ladesystemanbieters Wirelane. Wenn es dann überwiegend einmal Schnelllader gibt und autonomes Fahren keine Fiktion sondern allgegenwertige Realität geworden ist, wird auch ein kleineres Ladenetz ausreichend sein (ähnlich dem heutige Tankstellennetz mit ca. 14.000 Standorten). Das neue Laden wird dann das alte Tanken sein.

Bleibt abzuwarten, wer das Thema an sich reißen wird. Werden es die Fahrzeughersteller, die Energieversorger, Infrastrukturfonds oder die „Aldis und Lidls“ dieser Welt sein? Die Rahmenbedingungen (technische, rechtliche etc.) ändern sich jedenfalls so schnell, dass im Moment noch niemand genau sagen kann, wie die Lösungen der Zukunft genau aussehen werden. Doch der Trend „Kaufinteresse E-Autos“ schreibt sich in Zeiten des Klimawandels fort.

Kaufinteresse an Elektroautos

Zu hoffen bleibt nur, dass die deutschen Unternehmen diesen Trend nicht verpassen werden. Wenn deutsche Autobauer tatsächlich eher ihren „geliebten VW Golf“ an die Technologie anpassen möchten, während andere Länder es schaffen, das Auto sinnvoll um den Akku herum zu bauen, könnte es vielleicht zu spät sein. Und dann vielleicht noch für ein Update in die Werkstatt? Nein Danke. Die Amerikaner und Chinesen machen es bereits anders vor und das mit einer recht hohen Dynamik.

Zum Schluss nur noch ein erfrischendes Zitat, um den Tag mit Peter Mathis (DigiKoo/Westnetz) Worten abzuschließen: „Nur über die Steuerung der Netzte kann es funktionieren. Sonst macht es irgendwann „bumm“ und keiner weiß warum…“

 E-Mobility Innovationstag Nexiga-Impressionen 2019

SUMMARY

  • E-Mobilität wird sich durchsetzen: die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie schnell.

  • Die hierfür notwendige Lageinfrastruktur muss bedarfsgerecht und wirtschaftlich vertretbar ausgerollt werden.

  • Daten spielen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur eine Schlüsselrolle. Diese werden aus verschiedenen Quellen aggregiert, um einen bedarfsgerechten Ausbau sicherzustellen.

  • Aus Sicht der Kunden und auch des Handels ist E-Mobilität häufig zu komplex. Deshalb sind Ansätze zur Vereinfachung notwendig, insbesondere um einen Überblick über die Verfügbarkeit von Ladepunkten sowie Abrechnungsmöglichkeiten zu erhalten.

  • Es existieren Zusammenhänge zwischen der Nutzung von E-Mobilität und PV-Anlagen. 44% der Fahrer von Elektrofahrzeugen verfügen über PV-Anlagen. Es ist von weiteren Zusammenhängen auszugehen, die die Zielgruppe detaillierter beschreiben.

  • Die Sicherstellung von Versorgungssicherheit in den Netzen erfordert Informationen über die aktuelle und geplante Ladeinfrastruktur. Damit werden Prognosen zur Netzauslastung verbessert, um die notwendige Stabilität in den Netzen zu gewährleisten.

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