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Europaweite Standortbewertung

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Es muss nicht immer die Avenue des Champs-Élysee in Paris oder die Oxford Street in London sein. Doch generell bedeuten viele Passanten eben Potenziale für den stationären Handel – neuerdings auch für die Markenbildung von Online-Shops in der physischen Welt. Für die detailgenaue Beurteilung von Standorten in allen Ländern Europas liefert der Passanten Frequenz Atlas (PFA) flächendeckende Aussagen zur Standortgüte.

Standortbewertung Amsterdam

Der Shop vor Ort bleibt

John Donahue – neu gekrönter Chef des globalen Sportartikelriesen Nike – ist sich sicher: Geschäfte vor Ort werden nicht verschwinden. In einem Handelsblatt-Interview erklärt er, dass die Konsumenten nicht zwischen digitaler und physischer Welt unterscheiden würden. Einerseits bestellen sie mobil und holen die Ware im Shop ab – oder sie bestellen im Laden und lassen sich die Ware nach Hause schicken. Zumindest in den großen Flagship-Stores in den Metropolen dieser Welt wird dies gelebt. Dort würden die Menschen regelrecht von der Straße in den Store gezogen.

Selbst der – nun ja – Automobilhersteller Tesla plant seine Showrooms nicht unbedingt in Gewerbegebieten am Stadtrand, sondern gerne in den prestigeträchtigsten Fußgängerzonen. So in Hamburg nahe dem Jungfernstieg, in Zürich unweit der mondänen Bahnhofstraße.

Das ist schön und macht Hoffnung für die Innenstädte. Doch natürlich sprechen wir hier nicht unbedingt von Wolfenbüttel oder Rosenheim, aber auch dort kaufen Menschen Sportschuhe im Laden ein. Oder sie bestellen online oder machen beides.

Passantenfrequenz zeigt Märkte

Der Begriff Markt leitet sich vom lateinischen Wort mercatus ab, das Handel bedeutet. Märkte sind demnach Orte, an denen es zum Austausch von Waren kommt. Früher wie auch heute sind dies meist im Zentrum gelegene Plätze in Städten, die auch heute noch oft eine zentrale Bedeutung haben: Neu- und Heumarkt in Köln, Gänsemarkt in Hamburg, Haymarket in London oder Nieuwmarkt in Amsterdam.

Dadurch, dass heutzutage Märkte aber natürlich auch virtuell in den Weiten des Internets existieren, kommt der klassische stationäre Einzelhandel unter Druck. Gleichzeitig entstehen aber auch neue Chancen für den Shop vor Ort, in dem der Erlebnischarakter gestärkt wird. Schließlich ist heute die Customer Experience wichtig. Entscheidend kann dabei die Mikrolage sein. So berichtete das Magazin brand eins in seinem Artikel zur Ökonomie der 1a-Lage, dass in Würzburg der Umsatz einer Buchhandels-Filiale, die nur um 100 Meter innerhalb der Innenstadt verlegt wurde, um 50 Prozent gestiegen sei. Der neue Standort liegt direkt an der Straßenbahnhaltestelle, welche die Passantenfrequenz deutlich anhebt.

Standortbewertung von Lillehammer bis Palermo

Der Passanten Frequenz Atlas – kurz PFA genannt – ist ein gemeinsames Projekt der Nexiga und der Walkabout Consulting. Der PFA liefert Kennzahlen zur Passantenfrequenz – klassifiziert auf einer Skala von 0 bis 10 von der minimalen bis zur maximalen Frequenz – für alle europäischen Straßenabschnitte und ermöglicht den direkten Vergleich von Mikrolagen, Hotspots und Standortqualitäten. Aufwändige und kostenintensive Messungen vor Ort sowie lückenhafte Prognosedaten gehören damit der Vergangenheit an und können durch ein preisgünstiges Lizenzmodell abgelöst werden.

Welche Anwendungsfälle ergeben sich beispielsweise für unser Produkt?

  • Expansionsplanung
    In welchen Straßenabschnitten sind die höchsten Passantenfrequenzen für die Neueröffnung eines Stores gegeben? Wo sind die Hotspots der konsumrelevanten Tagesbevölkerung?

  • Relokation
    Wie oben beschrieben, kann die Mikrolage entscheidend für den Geschäftserfolg sein. Wo finden sich attraktivere Straßensegmente für die Verlagerung eines Shops innerhalb eines Commercial Districts? Oder eventuell in einem aufstrebenden Nachbarstadtteil?

  • Promotionen, Pop-up-Stores
    Wo können verkaufsfördernde Aktionen vor Ort (Verteilung von Flyern, Promotionsständen) am besten platziert werden? Wo könnte sich kurzfristig die Eröffnung eines Pop-up-Stores lohnen? Welcher physische Standort hat ein attraktives Umfeld und zahlt auf die Online-Marke ein?

  • Mietvertragsverlängerung
    In welchem Umfeld hinsichtlich der Frequenz liegt mein Shop, welche zukünftige Tendenzen und Entwicklungen sind zu erwarten? Nachhaltige Beurteilung der Lagegüte.

Oder man denke nur an die Standortplanung für E-Scooter in deutschen Städten. Wo darf man diese in Zukunft möglicherweise noch abstellen, wo lohnt es sich hinsichtlich von Frequenzen überhaupt?

Mehr Informationen und Beispiele zum PFA finden Sie auch in unserer Story Map mit konsumrelevanten Hotspots in Amsterdam, Brüssel und Wien.

Nordlichter unter der Lupe

Werfen wir noch einen Blick in die nordeuropäischen Metropolen Oslo, Kopenhagen und Helsinki. Alle haben sowohl in der Kernstadt wie auch im Ballungsraum eine ähnliche große Bevölkerung. Wie in vielen europäischen Städten gibt es einen alten Kern mit repräsentativen Gebäuden. Doch aufgrund der jeweiligen historischen Entwicklung und unterschiedlicher geografischer Gegebenheiten zeigt jede Stadt ihr eigenes Muster.

  • Oslo

    Die norwegische Hauptstadt hat etwa 680.000 Einwohner, im Ballungsraum leben fast 1,5 Mio. Menschen. Betrachtet man alle Straßenabschnitte in Fußgängerzonen mit einer PFA-Klasse ab 8 (= A-Lage), so ergibt sich eine Gesamtlänge von etwa 9,6 km. Nicht nur im Zentrum, sondern im gesamten Stadtgebiet.

  • Kopenhagen

    Die dänische Hauptstadt hat etwa 625.000 Einwohner, im Ballungsraum leben mehr als 1,3 Mio. Menschen. Betrachtet man alle Straßenabschnitte in Fußgängerzonen mit einer PFA-Klasse ab 8 (= A-Lage), so ergibt sich eine Gesamtlänge von etwa 6,2 km im gesamten Stadtgebiet.

  • Helsinki

    Die finnische Hauptstadt hat etwa 650.000 Einwohner, im Ballungsraum leben mehr als 1,5 Mio. Menschen. Betrachtet man alle Straßenabschnitte in Fußgängerzonen mit einer PFA-Klasse ab 8 (= A-Lage), so ergibt sich eine Gesamtlänge von etwa 16,9 km im gesamten Stadtgebiet.

Klicken Sie hier zum Öffnen der Karte (PDF), welche die Zentren der drei Städte mit dem PFA-Indikator zeigt.

Potenziell interessante, hochfrequente Stadtteillagen werden direkt sichtbar. Eng mit dem PFA verknüpft ist das Konzept der Konsumschwerpunkte. Diese Zentren des Konsums sind verdichtete räumliche Gebiete, zu denen Einkaufzentren, Fachmarktzentren, Outlet Center sowie die klassischen Einkaufszonen zählen. Dort „rollt“ sozusagen der Euro oder die Krone.

Sind Sie interessiert an weiteren Informationen? Bitte nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Julia Volz, Business Consultant bei Nexiga, freut sich auf Ihre Anfrage zum Thema.

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2020-07-30T08:29:12+02:0021/02/2020|Standortplanung|