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Einzugsgebiet à la carte

Erreichbarkeit und räumliche Nähe im Straßennetz

Bei fast jeder Standortbewertung wird ein Einzugsgebiet analysiert, zumindest für den B2C-Bereich. Es ist auch nur logisch, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Kunden aus der näheren Umgebung kommt. Erreichbarkeit und räumliche Nähe sind entscheidende Faktoren.

Die Größe des Einzugsgebiets kann je nach Bedeutung des Standorts (Verkaufsfläche, Sortimentstiefe, Ausstrahlung der Marke) erheblich variieren. Doch was ist bei der Erstellung dieser Gebiete mit geografischen Tools zu beachten?

Der Standort ist das Ziel

Räumliche Nähe zu einem Standort bzw. dessen Erreichbarkeit sind wichtige Faktoren aus Sicht der Konsumenten. Wer fährt schon gerne ein halbe Stunde für den Kauf von Drogerieartikeln. Zeit (für den Weg) bedeutet schließlich Aufwand und somit Kosten. Es sei denn, man kann dies mit anderen Einkäufen kombinieren. Die Kosten fallen jedoch umso weniger ins Gewicht, je bedeutender der Zielort ist. Man denke nur an die relativ großen Einzugsgebiete von schwedischen Möbelhäusern oder gar für internationale Flughäfen. Dennoch: Ein Teil der Kunden kommt eher zufällig (auf der Durchreise) oder strategisch (auf dem Weg zur Arbeit) vorbei.

Der Begriff Einzugsgebiet entstammt eigentlich der Wissenschaft der Hydrogeografie, die sich mit der räumlichen Verteilung von Wasser beschäftigt. So hat jeder Fluss oder Brunnen ein bestimmtes Einzugsgebiet. Im Bereich der Wirtschaftsgeografie wird auch der Begriff Einzugsbereich verwendet (im Englischen Catchment Area).

Auch ganze Städte haben in der Regel ein Einzugsgebiet im Umland, bedingt durch verfügbare Arbeitsplätze oder öffentliche und kulturelle Einrichtungen. Der Geograf Walter Christaller bezeichnete dies in seiner Theorie der zentralen Orte auch als Ergänzungsgebiet. Im diesem wohnen die Nachfrager der Güter oder Dienstleistungen, die in dem zentralen Ort angeboten werden. So ähnlich ist es auch heute, im Detail nur wesentlich komplexer.

Konstruktion von Einzugsgebieten

Jeder Shop oder jede Einrichtung kann als spezieller zentraler Ort für ein bestimmtes Angebot verstanden werden, der entsprechend ein eigenes Einzugsgebiet aufweist. Sei es ein Kino oder ein Theater, ein Supermarkt oder ein Flohmarkt.

Bei der Erstellung von Einzugsgebieten mit Hilfe von geografischen Tools handelt es sich immer um Modelle. Schließlich sind diese nicht statisch, sondern unterliegen räumlich-zeitlichen Variationen. Je nach Wochentag oder Tageszeit kann das Einzugsgebiet  unterschiedlich groß sein. Solche speziellen Betrachtungen sind für Tankstellenbetreiber oder Freizeitparks interessant, meist wird jedoch versucht, ein für einen mittleren Zeitraum repräsentatives Gebiet zu erzeugen.

Konkret: Ein Einzugsgebiet kann aus bestehenden Kundendaten abgleitet werden. Dabei wird z.B. ermittelt, in welchem Kerngebiet rund um den Standort ein Großteil der Kunden erreicht wird, je nach Branche in der Größenordnung 60 bis 80%. Zuvor müssen die Kunden anhand ihrer Adressen geokodiert werden, um als Punkte in der Karte für die Funktion zur Verfügung zu stehen.

Für die Planung von neuen Standorten wird ein Einzugsgebiet meist durch Vorgabe von Fahrzeiten oder Entfernungen auf dem Straßennetz berechnet.

Ein Gebiet für ein Straßennetz

Plant man einen neuen Standort, geht man meist von plausiblen Annahmen aus und definiert das Einzugsgebiet anhand der Vorgabe von Fahrzeiten oder Distanzen. Hier spricht man von Routingzonen, denn die Berechnung findet auf einem Straßennetz statt.

Es werden somit alle Straßensegmente ermittelt, die innerhalb bestimmter Fahrzeiten oder Entfernungen erreicht werden. Varianten wie Fußgänger- oder PKW-Routing führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Ergebnis wird zunächst ein Netz aus Linien berechnet, das die Straßen in der gewünschten Umgebung repräsentiert. Dieses Spaghetti-Muster ist aber für die Visualisierung und späteren Verschneidung mit anderen geografischen Ebenen eher unpraktisch. Daher werden auf Basis dieser Linien Flächen erstellt. Auch hierfür gibt es unterschiedliche Ansätze, wie unsere Karte beispielhaft zeigt. Diese Beispiele wurden mit dem Nexiga Marktanalyst in der Desktop-Variante erstellt.

Klicken Sie hier zum Öffnen der Karte (PDF)

So kann jedes Straßensegment mit einem Puffer („Schlauch“) versehen werden, um Flächen zu erzeugen. Diese Option ist eher für geringe Distanzen (wenige Kilometer) bzw. Fahrzeiten geeignet. Damit homogene Zonen entstehen, können leere Flächen zwischen den Straßensegmenten aufgefüllt werden.

Alternativ gibt es die Option, dass für jedes Straßensegment eine kleine Fläche (Polygon) erzeugt wird. Alle Flächen werden dann zur Entfernungszone zusammengesetzt. Diese Option bietet sich für mittlere Distanzen und Fahrzeiten an. Für große Entfernungszonen (überregional) kann das Gebiet auch generalisiert dargestellt werden („Konvexe Hülle“). Hier kommt es nicht mehr darauf an, den Verlauf jeder einzelnen Straße abzubilden.

Potenziale ermitteln mit dem Nexiga Marktanalyst

Mit unserem Nexiga Marktanalyst Online kann schnell und unkompliziert für einen oder mehrere Standort ein Einzugsgebiet definiert und Potenziale auf Basis von Marktdaten ermittelt werden. Ideal für Unternehmen sowie für kleinere bis mittelständische Betriebe aus vielerlei Branchen.

Durch Klick auf einen beliebigen Standort in der Karte (oder nach Suche anhand einer Adresse) wird das Einzugsgebiet auf Basis von einer oder mehrerer Entfernungszonen (nach Entfernung oder Fahrzeit) definiert. Die Erzeugung der Zonen basiert auf der Technologie unseres Partner Esri (mit dem ArcGIS Network Analyst) und kann als eine Kombination zwischen der oben beschriebenen Puffermethode und Polygon je Straßensegment beschrieben werden.

In einem nächsten Schritt werden die Merkmale (Marktdaten) ausgewählt, die für verschiedene geografische Ebenen (Wohnquartiere, PLZ und Gemeinden) zur Verfügung stehen. Durch Verschneidung des Einzugsgebietes mit diesen Ebenen können Potenziale je Entfernungszone ermittelt werden.

Finden Sie die lukrativsten Standorte für Ihr Business – mit dem Marktanalyst Online. Einen kostenlosen Test für die Stadt Köln – es ist keine Anmeldung erforderlich – gibt es hier.

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2020-10-20T16:08:19+02:0014/10/2020|Marktdaten, Raumstrukturen, Standortplanung|