Nexiga Blog

Lade-Infrastruktur verliert den Anschluss

E-Autos nehmen im Verkauf an Fahrt auf, die Lade-Infrastruktur jedoch verliert an Antriebskraft.

Im Oktober 2020 stellten unsere Experten erstmals fest, dass 27 Kreise in Deutschland mit Ladesäulen unterversorgt sind. Doch wo stehen wir heute?

Als „Data E-Mobility-Experte“ aktualisieren wir in regelmäßigen Abständen unser Ladesäulen-Kataster*. In Kombination mit den aktuellen Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge stellen wir bereits heute fest, dass Deutschland mittlerweile in nahezu 78 Kreisen eine unzureichende Lade-Infrastruktur besitzt. Das bedeutet ein Zuwachs von 65% unterversorgter Kreise im Vergleich zum Vorjahr. Die zugelassenen Fahrzeuge lokal ausreichend zu versorgen, wird damit zu einer Herkulesaufgabe, sowohl für Halter als auch Versorger. Die „Reichweitenangst“ bleibt.

Da mittlerweile viele Autobauer ihre Produktion auf E-Fahrzeuge umstellen (VW, Mercedes-Benz, BMW,…), gehen wir davon aus, dass sich diese Zahl bis Ende diesen Jahres noch weiter potenzieren wird. Bei einer Annahme der Zulassungszahlen von +10% ohne das Hinzukommen neuer Lade-Stationen werden wir damit bereits bei 109 unterversorgten Kreisen liegen.

Die entscheidende Frage muss immer wieder gestellt werden: Wie viele Säulen hat und braucht das Land?

E-Ladestation_Beispiel Köln

Per 31. März gab es 30.463 öffentliche und teil-öffentliche Ladestationen.

 

Prognose zum Versorgungsgrad mit Ladesäulen

Bis Ende 2021 werden 109 Kreise unterversorgt sein.

Basis für die Berechnungen ist die Empfehlung des Beratungsgremiums Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), mit durchschnittlich maximal 12,5 E-Fahrzeuge pro Ladestation.

Wie ist der Versorgungsgrad mit Ladesäulen in Deutschland?

Fakt ist, der Ausbau der Ladeinfrastruktur läuft den Zulassungszahlen hinterher. Die Bevölkerung hat das Problem Klima erkannt und viele denken bei einem Wechsel oder Neukauf bereits daran, ihren Diesel oder Benziner durch ein E-Auto oder Hybridmodell zu ersetzen. Das beweisen allein die Zuwachsrate der E-Autos von 56% zum Vorjahr. Doch muss man grundsätzlich immer noch dazu sagen, dass der Anteil an E-Autos mit 1% Gesamtanteil natürlich noch sehr gering ist.

Zugrunde liegende Zahlen und „Fakten“ führen aber teilweise immer noch zu widersprüchlichen Rückschlüssen auf den Versorgungsgrad der Bevölkerung mit Ladeinfrastruktur. Aussagen wie „Wir haben genug Ladesäulen“ sind dabei nicht selten anzutreffen.

Wie ist die Versorgung in Ihrem Kreis? Erstellen Sie Ihre persönliche Prognose mit unserem interaktiven Dashboard. Mit Hilfe des Schiebereglers können Sie individuell die „Zuwachsrate in %“ justieren, die Versorgungsentwicklung live berechnen und gleichzeitig visualisieren.

DASHBOARD

 Es braucht eine feinräumige Betrachtung

Analysen, die nur grob auf Ebene der Bundesländer erstellt sind, haben zweifelsfrei Schwächen. Denn entscheidend ist nicht, ob ein Bundesland im Schnitt gut versorgt ist. Die lokale Versorgung vor Ort ist entscheidend und damit bedarf es einer feinräumigen Betrachtung.

Ein weiteres Defizit vieler Statistiken: Es wird nur ein Teil der Ladeinfrastruktur betrachtet, denn ein vollständiges Verzeichnis am Markt gibt es nicht. Weder das „halboffizielle“ Verzeichnis der Bundesnetzagentur, noch das häufig zitierte Ladesäulenregister des BDEW erheben Anspruch auf Vollständigkeit. Das hat zur Folge, dass die Ladeinfrastruktur in Deutschland aktuell nicht komplett abgebildet werden kann und dies zu falschen Schlussfolgerungen führt.

Dashboard zeigt den Versorgungsgrad auf Kreisebene

Das interaktive Dashboard visualisiert die aktuelle Situation. Die Daten werden auf Kreis-Ebene, den 401 Landkreisen und den kreisfreien Städte angezeigt. So können einzelne Städte und Regionen betrachtet werden. Alle Daten und Analysen sind auch auf Gemeinde- und PLZ-Ebene verfügbar.

Es werden zwei Kennzahlen auf Kreisebene angezeigt: die Anzahl E-Fahrzeuge pro Ladestation und die Anzahl E-Fahrzeuge pro 100.000 Einwohner.

Fragen an den Energie-Experten

Wie viele Ladestationen gibt es in Deutschland wirklich und wie gut ist die Versorgung?

Dieser Frage gehen wir als Experte für Location Intelligence kontinuierlich nach. So unterstützen wir Partner und Kunden bei der Planung und Prognosen von Ladeinfrastruktur und der Erstellung von Mobilitätskonzepten mit der Grundvoraussetzung einer aktuellen und verlässlichen Datenbasis.

Die Anbieter eines Verzeichnisses oder einer App zur Suche von Ladesäulen berücksichtigt meistens nur einen Teil der bestehenden Standorte, sei es Standorte der BDEW oder der Bundesnetzagentur. Jede Quelle enthält immer nur einen Teil an relevanten Daten, was Nexiga bereits im Juni 2019 dazu veranlasste, mit dem „*Nexiga-Ladesäulen-Kataster“, eine eigene Datenbasis aufzubauen (die mit zahlreichen weiteren Markt- und Geodaten verknüpfbar sind). Hier finden öffentliche und teil-öffentlichen Ladesäulen zusammen und werden monatlich aktualisiert.

  • Das *Nexiga-Ladesäulen-Kataster

    Nexiga baut bereits seit Juni 2019 eine eigene- Datenbasis auf. Ende 1. Quartal 2021 waren 30.463 (12% mehr zum Vorjahr) Ladestationen mit insgesamt 80.707 Ladepunkten (15% zum Vorjahr) in der Datenbank erfasst.

    Die Ladesäulen der sechs größten Verzeichnisse bzw. Quellen werden dabei räumlich und inhaltlich monatlich in einem aufwändigen Verfahren abgeglichen. Dabei werden sowohl öffentliche als auch teil-öffentliche Ladestationen, z.B. auf Parkplätzen von Supermärkten, berücksichtigt. Zu jedem Standort sind bis zu 10 Zusatzinformationen verfügbar.

    Neben Adresse und Geo-Koordinate stehen zusätzliche Merkmale wie Typ (Normal/Schnell), Leistung, Steckertypen, Betreiber oder der Location-Type (Autobahn, Supermarkt, Hotel) zur Verfügung.

  • FAZIT

    Die Analyse auf Kreisebene bietet zwar bereits mehr Erkenntnis als Durchschnittswerte für ganz Deutschland oder den Bundesländern, doch lassen aus unserer Sicht diese Zahlen noch keine wirklichen Schlussfolgerungen zum echten Bedarf oder einer ausreichenden Versorgung zu. Die Darstellung kann nur ein erster Anhaltspunkt sein, denn es gibt große regionale Unterschiede und zahlreiche zusätzliche Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, z. B. Pendlerströme oder Anzahl Firmen je Region.

    Ebenfalls zu hinterfragen ist, ob nicht ausschließlich Schnell-Ladesäulen in die Betrachtung einfließen sollten, denn nur diese sind relevant, wenn es um eine ausreichende „Schnell-Versorgung“ für unterwegs geht. Denn wer möchte schon fünf Stunden an einer Ladesäule verweilen, wenn es nicht gerade das eigene zu Hause ist?

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